Why It Is Not The Best Time For Badewanne Hamburg

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Auch Rembrandt ist eine Frage der richtigen Perspektive. Betrachtet man sein Bild „Die Nachtwache“ aus größtmöglicher Distanz – also vom Eingang der Ehrengalerie im Amsterdamer Rijksmuseums aus –, so scheint die quirlige Gruppenszene halbwegs im engen Rahmen eines Kammerspiels gebändigt.

Läuft der Besucher nun gut zwanzig Meter durch die Galerie, vorbei an den nischenartigen Kabinetten, in denen die Meisterwerke des niederländischen „Goldenen Zeitalters“ so schön versammelt wie nirgendwo sonst hängen, und tritt er durch den letzten Torbogen, so ist er schon näher dran am Werk – und an der Intention des Künstlers.

Von hier aus sieht man, wie sich die Szene in ihre soziale Dimension ausweitet: Rembrandt legte 1642 die Darstellung der städtischen Bürgerwehr um ihren Bürgermeister und Hauptmann Frans de Cocq auch als Porträt der Amsterdamer Gesellschaft an und berücksichtigte deren innere Abstufungen. Während er im Zentrum des Gemäldes die Kleidung der Offiziere in minutiöser Genauigkeit ausführte, reichten ihm für die Ärmel des pockennarbigen Trommlers am rechten Rand lediglich ein paar Farbschlieren.

Wagt man sich nun die letzten paar Schritte vor, so hat man das Gefühl, selbst in die Szene einzutreten, zum Gefährten der lebensgroßen Figuren zu werden. Und wer erst eine Weile mit Hauptmann, Trommler oder der lustigen Marketenderin mit dem Huhn am Gürtel Wache gehalten hat, wird irgendwann auch nach oben blicken. Dabei wird er ins Staunen geraten, wie sich sein Blick in dreieinhalb Metern Höhe in endloser Schwärze verliert.

Im oberen Drittel des Bildes lauert der Nachthimmel, der sich über der kleinen Kompanie senkt wie eine noch nicht genau zu erkennende Bedrohung. Hier bekommt Rembrandts Malerei plötzlich etwas Kosmisches.

„Die Nachtwache“ ist das einzige Bild, das nach der zehnjährigen Umbauzeit des Rijksmuseums wieder an seinem alten Platz hängt. Grund ist weniger der Respekt gegenüber einem publikumswirksamen Meisterwerk, als vielmehr der sichtbare Wille bei den beteiligten Direktoren, Kuratoren und Architekten, im Rahmen der nun anstehenden Neupräsentation der Kunst zur Abwechslung einmal die bestmögliche Geltung zukommen zu lassen.

„Sie sehen vor sich die Realisierung eines ganz neuen Rijksmuseums, das nun endlich das Museum der Niederlande ist“, erklärt Wim Pijbes, Generaldirektor. Man habe sich ein wichtiges Ziel gesetzt: „Wir wollen die alten Meister für ein gegenwärtiges Publikum, für die Menschen von heute, relevant machen.“

Dass sich nach der Direktorenansprache vor Hunderten internationaler Journalisten trotz der diversen Probleme bei der Renovierung – spektakulär überschrittene Zeitpläne und happige Gesamtkosten von 375 Millionen Euro – kein kritisches Worte regte, mag damit zu tun haben, dass das Endergebnis einfach überzeugend wirkt. Wer ab dem 14. April das neue Rijksmuseum besucht und den kleinteiligen, verschachtelten Gebäudekomplex aus den Neunzigerjahren im Kopf hat, dürfte angesichts der neu gewonnenen Übersichtlichkeit glatt ein wenig desorientiert sein.

Im Innenbereich hat das spanische Architekturbüro Cruz y Ortiz zum Teil ganze Geschossebenen herausreißen lassen, um sich wieder der Konzeption der ersten Architekten, Pierre Cuypers, anzunähern. So konnten die zwei großen originalen Innenhöfe zurückgewonnen werden, um die sich nun etagenweise die Ausstellungsräume als einfacher Ringparcours legen. Durchsichtige Glastüren trennen die Abteilungen und gleiten beim Herantreten sanft zur Seite. Es ist ein Museum, das den Besucher als Flaneur willkommen heißt.

So ist der Fortschritt gleichzeitig ein Rückgriff. Und das moderne Museum des 21. Jahrhunderts wurzelt in der Vormoderne, in Cuypers Originalentwurf von 1876. Es mag zunächst wie ein historisierender Spleen erscheinen, dass im Großen Saal der Terrazzo-Fußboden zurückgekehrt ist und an den Wänden wieder die Dekorationsgemälde des kaum bekannten Wiener Kleinschildermalers Georg Sturm (1855 bis 1923) hängen.

Stadtwappen sieht man dort. Allegorien von Wissenschaften wie Astronomie und Mechanik. Oder wichtige Persönlichkeiten wie den Pendeluhr-Erfinder Christiaan Huygens. Und ein wenig erscheint einem das alles wie eine bescheidene Sixtinische Kapelle der Zivilgesellschaft – ein leicht unbeholfenes Gesamtkunstwerk, das vom Bürgerstolz erzählt, der nicht nur wichtiges Element der niederländischen Kultur ist, sondern auch im 19. Jahrhundert die Gründung von Museen erst möglich gemacht hat.

Blickt das Rijksmuseum hier in die Keimzelle der eigenen Genese, beginnt die Chronologie des Museumsrundgangs doch im Keller mit der Mittelaltersammlung. Der Kurator Frits Scholten ist über zwei Geschosse Abstand zur „Nachtwache“ nicht unfroh, denn unterm pseudogotischen Gewölbe bekommt er erstmals die Gelegenheit, in Ruhe ein Präsentationskonzept zu erproben, das prägend für das neue Museum ist.

Scholten zeigt Gemälde, Skulpturen und Kunsthandwerk im Dialog. „Wir haben uns von einem Malereimuseum in ein Universalmuseum verwandelt“, sagt er. „Die Mischung der Gattungen hilft ein besseres Verständnis für die Werke zu bekommen und für die Zeit, in der sie entstanden.“

Tatsächlich hat man die Kunst des Mittelalters selten so lebendig gesehen wie jetzt im neuen Rijksmuseum. Vor allem die Skulpturen, die Scholten strategisch im Raum positioniert hat, sodass man einen Bogen gehen muss und doch nicht darum herumkommt, die besonderen Qualitäten der so oft unterschätzten Bildhauerkunst zu registrieren.

Erstaunlich, wie emotional und überzeitlich manche der vor Jahrhunderten ins tote Holz geschnitzten Figuren wirken. Anrührend, wie zärtlich Joachim seine Gattin Anna in dem Arm nimmt, als er erfährt, dass sie mit der Heiligen Jungfrau Maria schwanger ist. Die bescheidene Eichenholzskulptur wurde um 1470 von einem anonymen Meister aus Brabant geschaffen.

Im Kleinen das Große zu sehen, war stets ein Merkmal der niederländischen Kunst. Wegen ihres kulturellen Werts werden Joachim und Anna nun von einer Vitrine geschützt. Doch weil diese – wie überall im Museum – rahmenfrei und aus entspiegeltem Glas ist, hat es den Anschein, als sei sie gar nicht wirklich da.

Stattdessen blickt man ungehindert auf ein Gemälde von Geertgen tot Sint Jans weiter hinten an der Wand, in der eine mittlerweile erwachsene Maria ihrerseits ein Kind auf dem Schoß hat, vor dem drei Könige aus fernen Ländern auf die Knie gehen.

Während man in Berlin noch darüber debattiert, ob es überhaupt lichttechnisch möglich ist, Malerei und Skulptur gemeinsam in einem Raum auszustellen, beweist Amsterdam längst, dass es geht. Freilich hat man es sich etwas kosten lassen, mit eigens angefertigten Leuchtern, die sowohl indirektes Licht abgeben, als auch mit LED-Strahlern einzelne Akzente setzen.

Der Effekt ist nun, dass die Skulptur der Muttergottes als Mater Dolorosa von Pietro Torrigiani (1472 bis 1528) so hyperrealistisch trauert, als sei sie aus Fleisch und Blut.

Und es ist schon vernünftig, dass das Rijksmuseum dem Prinzip der Gattungsmischung nur dort folgt, wo es die Geltung der Werke nicht mindert. In der Ehrengalerie verzichtet man bewusst darauf. So wird man Jan Vermeers Dienstmagd beim Milchausschütten weiter in intimer Konzentration bewundern. Frans Hals’ grandiose Darstellung eines verschmitzt lächelnden, neuvermählten Kaufmannspaars wird natürlich nicht mit einem Brautkleid der Epoche abgeglichen. Und auch Rembrandts „Nachtwache“ eine Vitrine mit echten Musketen zur Seite zu stellen, wäre schlicht unsinnig weil illustrativ.

Im Ausstellungsraum, in dem einige frühe Auftragsporträts des Künstlers hängen, funktioniert die Mischung aber sehr wohl. Hier verdeutlichen ein kostbarer Schrank des mit Rembrandt befreundeten Schreiners Herman Doomer oder auch zwei reich verzierte Salzschälchen des Silberschmieds Johannes Lutma das großbürgerliche Ambiente, in dem sich die Werke des Künstlers einst befanden.

Zehn Jahre hatten die Kuratoren Zeit, ihr Präsentationskonzept, das zweifellos Vorbildcharakter besitzt, zu entwickeln. Und sollte in Berlin die Machbarkeitsstudie einen Neubau an der Museumsinsel und die Zusammenführung von Gemäldegalerie und Skulpturensammlung nahelegen, dann spricht sicher viel dafür, die Bauzeit für seine sorgsame Planung der Mischpräsentation zu nutzen.

Was sich dabei gewinnen ließe, wird im Rijksmuseum vielfach deutlich: Wäre einem beim Gang durch eine reine Skulpturenschau wirklich genau diese überdimensionale Terrakotta-Plastik von Jan Pieter van Baurscheirt aufgefallen, die zwei potthässliche Trinkgesellen zeigt? Einzeln und im Dialog mit Zecher-Genrebildern wird sie als Teil eines barocken Schock- und Unterhaltungsprogramms erkennbar.

Im nächsten Raum folgen kuriose Trinkgefäße in Form silberner Windmühlen und ein Wandtext über die Trunksucht der Epoche.

Was hatte man noch im Flugzeug nach Amsterdam in der Zeitung gelesen: Jeder Deutscher konsumiert im Schnitt pro Jahr eine Badewanne voll Alkohol? Wer je an der Aktualität der Alten Meister seine Zweifel gehabt hätte – in diesem Raum zweifelt keiner mehr.

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